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Das Sandstelen-ProjektIch arbeite seit einigen Jahren mit Quarzsand als künstlerisches Mittel. Dieses Material ermöglicht bildhauerische Objekte, welche sowohl die Aura des "Festen" als auch des Flüchtigen und Vergänglichen mit sich tragen können. Das Sand-Stelen-Projekt des Evangelischen Kirchentages 2005 unter dem Motto "Wenn Dein Kind Dich morgen fragt ..." gehört für mich in diesen größeren Zusammenhang. Meine Kunst verbindet sich hier mit der Losung des Kirchentages und mit der Arbeit und dem Leben in den einzelnen Gemeinden. In jeder Gemeinde wird eine Stele aus gehärtetem Formsand an einer ausgewählten Stelle errichtet. Diese Stele wird auf einer Seite mit dem gemeinsamen Motto aus 5. Mose 6,20: WENN DEIN KIND DICH MORGEN FRAGT beschriftet sein. Auf der anderen Seite wird die Antwort des Trägerkreises auf die Frage: "Wie wollen wir leben?" zu lesen sein. I. GRUNDGEDANKENachdem die Säule errichtet wurde (216 cm x 72 cm x 52 cm), kann sie von den Mitgliedern der Gemeinde weiter beschriftet werden. Besucher ritzen ihre Worte, Texte, Gedanken, Wünsche oder Gebete kreuz und quer in die Säule. Die Säule verändert dadurch im Laufe der Wochen ihre äußere Form. II. DAS MATERIALFür mich verbindet sich mit dem Material Quarzsand eine ganze Reihe an Assoziationen, etwa: Mineralischer Urstoff ... tote Materie (im Sinne der organischen Welt) ... belebend im Sinne von Verdichtung und Speicherung von Energie (Licht/Sonne) ... Erosionsmaterial ... Vom Winde verwehtes Land ... Erdstaub ... Kosmischer Staub ... Zermalener Planet ... "Du bist der Fels, auf dem ich meine Kirche bauen werde ..." ... "zu Staub sollt ihr werden" ...auf Sand gebaut ... Sand im Getriebe der Welt sein ... Kristallisationskeim ... und in den Muscheln entstehen Perlen, die dann irgend jemand irgendwohin wirft ... Diese Sprachbilder lassen sich endlos weiterführen, und es sind oft sehr ursprüngliche und tiefwurzelnde Bilder. Und doch ist in unserer Wahrnehmung dieses Material selten mehr als ein nützlicher Füllstoff oder Baustoff, mit dem wir die Welt nach unserem Gutdünken gestalten, vermauern und zubetonieren. III. DIE FORMEine schlanke Säule mit rechteckigem Grundriss in den Maßen uralter heiliger Zahlen aus der alttestamentarischen, altägyptischen und vedischen Tradition. (216 x 72 x52) ergibt eine erstaunlich formschöne, kraftvolle und harmonische Proportion. Ich versuche nicht, kulturelle und geistige Traditionen übergreifend zu fassen, sondern lediglich ein zusammenhängendes Bild zu schaffen. IV. DAS BILDDie Säulen in diesem Projekt werden mit Texten übersät, und durch die Texte lösen diese sich langsam auf. Jeder Gedanke geht auf Kosten der Substanz der Säule und das ist auch gut so. Es bleiben die Erinnerungen an eine Säule in der Kirche und an einzelne Texte. Was auch bleibt ist der Sand. Und zuletzt, wenn alles gut geht, handeln und sandeln die Kinder damit. Bernhard Wimmer |
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